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Farbton, Chroma, Tönung, Schattierung & Co.: Farbbegriffe der Farbtheorie im Überblick

Aktualisiert: 9. Feb.

In meinen früheren Beiträgen zur Farbtheorie habe ich über die verschiedenen Farbmischungsmodelle (RGB, RYB und CYMK) gesprochen, die verwendet werden, um zu verstehen, wie die verschiedenen Farben wiedergegeben werden können, und im Zusammenhang mit der Acrylpouringtechnik, warum Farben manchmal neutral oder matschig werden, wenn sie gemischt werden.


In diesem und nächstem Beitrag möchte ich einen Schritt zurück in der Farbtheorie machen, über unterschiedliche Farbbegriffe und den Begriff Farbe als solcher, all ihre Eigenschaften und wie wir sie nutzen können, um wunderbare Farbpaletten zu erstellen, sprechen.


Was ist eine Farbe? Eine Definition.

Die Farbe ist die visuelle Darstellung jeder einzelnen Komponente des Lichts, die auf eine bestimmte Wellenlänge beruht. Jede Wellenlänge entspricht einer Farbe und ist auch dafür verantwortlich, wie unsere Augen die Umgebung und die Objekte um uns herum wahrnehmen, je nachdem, wie jedes Objekt Licht absorbiert und reflektiert.


Farbbegriffe aus der Farbenlehre und Farbeigenschaften

Farben haben Wahrnehmungseigenschaften wie Farbton, Wert und Sättigung, so dass jede Farbe als ein 3D-Konzept und als Ergebnis der Interaktion aller drei Dimensionen erklärt/beschrieben werden kann.



Farbkreis mit Mischenmöglichkeiten
Farbkreis mit Mischenmöglichkeiten


Farbton

Der Farbton ist die reine Farbe oder das reine Pigment ohne Zusatz von Weiß oder Schwarz. Dies entspricht den Grundfarben, die sich auf dem Farbkreis oder dem Regenbogen befinden: Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau, Grün sowie die Zwischenfarben Gelb-Orange, Rot-Orange, Rot-Violett, Blau-Violett, Blau-Grün, Gelb-Grün.

Weiß, Grau und Schwarz gelten als neutrale Farben und Nichtfarben (No-Hues).


Chroma eines Farbtons

Der Begriff Chroma ist eng mit dem Farbton verbunden und ist ein Maß für die Reinheit einer Farbe. Der höchste Buntheitsgrad ist erreicht, wenn einer Farbe kein Weiß, Grau oder Schwarz beigemischt ist. Dazwischen liegende und niedrigere Chroma-Grade werden durch Entsättigung des Farbtons durch Zugabe von Weiß, Grau und Schwarz erreicht.


Wert

Der Wert ist ein Maß für die Helligkeit oder Dunkelheit einer Farbe. Der Wert einer Farbe kann entweder durch Hinzufügen von Weiß (helle Farbtöne) oder Schwarz (dunkle Farbtöne) verändert werden.


Farbsättigung

Die Sättigung ist ein Maß dafür, wie hell oder intensiv eine Farbe erscheint. Manchmal wird die Sättigung einer Farbe auch mit den Begriffen Reinheit oder Fülle beschrieben.

Die Sättigung einer Farbe kann verändert werden, indem man Weiß, Grau, Schwarz oder eine Komplementärfarbe zu einem Farbton mischt.


Aus dem Zusammenspiel von Farbton, Wert und Sättigung ergeben sich drei verschiedene Möglichkeiten:


Tönungfarbe, wenn wir Weiß mischen.

In diesem Fall erhalten wir hellere (aber nicht hellere) Versionen der Farben, die auch als Pastellfarben bezeichnet werden. Der Farbton bleibt gleich, aber durch die Zugabe von Weiß wird er entsättigt. Da Weiß eine starke Farbkraft hat, sollten Sie bei der Erstellung von Farbtönen vom Farbton ausgehen und nach und nach Weiß hinzufügen, bis Sie die gewünschte Farbe erhalten.


Tönfarbe, wenn wir Grau (neutrale Farbe) mischen.

In diesem Fall wird die Helligkeit der Farben reduziert, wodurch sie manchmal angenehmer zu betrachten sind. Da Grau eine starke Farbkraft hat, sollten Sie vom Farbton ausgehen und nach und nach Grau hinzufügen, bis Sie die gewünschte Farbe erhalten. Sobald Grau hinzugefügt wird, ist es unmöglich, zur ursprünglichen Helligkeit zurückzukehren. Die Helligkeit oder Dunkelheit der abgetönten Farben hängt von der Menge an Weiß oder Schwarz ab, die für das Grau verwendet wird.


Schattierungen, wenn wir Schwarz mischen.

In diesem Fall erhalten wir dunklere Versionen der Farben, aber die Farbe selbst bleibt die gleiche. Der Farbton kann von einer leichten Schattierung bis zu einem dunklen (fast schwarzen) Farbton reichen.

Da Schwarz eine starke Farbkraft hat, sollten Sie Schattierungen ausgehend vom Farbton erstellen und nach und nach Schwarz hinzufügen, bis Sie die gewünschte Farbe erhalten.


Begriffe zur Beschreibung des Werts und der Farbsättigung von Farbtönen.

Im Folgenden finden Sie eine Liste der am häufigsten verwendeten Begriffe zur Definition des Werts und der Sättigung von Farbtönen. Einige dieser Begriffe können auch als Zusatz zum Farbton selbst verwendet werden.


  • Helligkeit: steht für hohe Leuchtkraft oder hohe Sättigung.

  • Rein, fett, lebendig, satt: alle Begriffe weisen auf eine hohe Sättigung hin.

  • Blässe, Stumpfheit: ein Maß für Entsättigung (im Gegensatz zur Helligkeit). Manchmal findet man den Begriff "blass" zusammen mit dem Namen des Farbtons (zum Beispiel: blassgelb)

  • Helligkeit: Ähnlich wie der Begriff "Helligkeit" beschreibt er eine Farbe mit hoher Leuchtkraft, aber anders als dieser beschreibt er eine Farbe mit geringer Sättigung.

  • Dunkelheit: das Gegenteil von Helligkeit, also eine geringe Leuchtkraft. In der Regel findet man den Begriff "dunkel" vor dem Farbton.

  • Tief, königlich: wird verwendet, um die Dunkelheit und/oder hohe Sättigung eines Farbtons zu beschreiben; hat nichts mit Farbtiefe zu tun.

  • Pastell: wird verwendet, um Farben mit hoher Leuchtkraft und geringer Sättigung zu beschreiben. Der Begriff Pastell wird in der Regel zusammen mit dem Farbnamen verwendet (z. B. Pastellblau, Pastellrot, etc. ....).

  • Neon: hell wie der helle Schein der Neonbeleuchtung.

  • Fluoreszierend: sehr hell, manchmal auch stark gesättigt. Benannt nach dem Fluoreszenzeffekt von Pigmenten und Farbstoffen, wenn sie unter UV-Licht betrachtet werden.


Färbungsstärke

Die Färbungsstärke ist die Fähigkeit einer Farbe, den eigenen Farbton zu behalten, wenn sie mit Weiß oder eine andere Farbe vermischt wird. Diese Eigenschaft is von drei Aspekten abhängig:


  1. die Art des Pigments

  2. die Menge des in der Farbe enthaltenen Pigments

  3. die Feinheit des in der Farbe enthaltenen Pigments.


Die Färbungsstärke ist often ein Hinweis für hochqualitative Acrylfarben, da dort die Menge an enthaltenen Pigmente sehr hoch ist.


Art des Pigments

Nicht alle Pigmente besitzen die gleiche Färbungsstärke. Rote Pigmente sind beispielweises im Vergleich zu gelben Pigmenten, sodass man eine großere Menge an Gelb benötigt, um eine Orange zu erhalten.


Die Menge des in der Farbe enthaltenen Pigments

Der zweite Aspekt ist die in der Farbe enthaltenen Menge an Pigmenten. Je größer die Menge ist, desto stärker ist die Färbung. Das ist auch eine der Gründe dafür, billigere Acrylfarben manchmal zu durchsichtig oder farblos auf dem Papier aussehen.


Die Feinheit des in der Farbe enthaltenen Pigments

Zum Schluss spielt die Feinheit eines Pigments eine Rolle. Je feiner der Pigment ist, desto besser kann die Farbe ihre Färbungskraft behalten und auf das Papier oder jegliche Oberfläche lebendig aufgetragen werden.


Farbtemperatur und Farbverzerrung: warme und kalte Töne

Zwei weitere Begriffe, die für die Wahl einer bestimmten Farbpalette sehr wichtig sind, sind die Farbtemperatur und die Farbverzerrung.


Farbtemperatur: warme vs kalte Töne

Der erste Begriff, die Farbtemperatur, ist ein Parameter, der die Art und Weise bestimmt, wie wir eine Farbe wahrnehmen. In diesem Zusammenhang gibt es für jeden Farbton warme und kalte Töne.

Die Farbtemperatur hängt auch davon ab, wo sich die Farbe auf dem Farbkreis befindet. Normalerweise gelten Farben im gelben, orangen und roten Spektrum als warm, während Farben im grünen, blauen und violetten Spektrum als kühl angesehen werden.


Farbverzerrung

Der zweite Begriff, die Farbverzerrung, beschreibt die Tendenz einer Farbe gegen eine andere Farbe und kann gleichzeitig einen Hinweis für die Farbtemperatur sein. Zum Beispiel gibt es für Phtaloblau rötliche oder grünliche Varianten auf Basis der für die Erstellung der Farbe verwendeten Pigmente.

Um die Farbverzerrung herauszufinden, besteht eine Methode darin, die Tönung der Farbe (d.h. die Farbe angemischt mit weiß) zu sehen.


Interaktion von Farbtemperatur und Farbverzerrung

Wie bereits geschrieben, gibt es in der Regel für jede Primärfarbe eine kalte und eine warme Farbton, welche durch die Farbverzerrung erklärbar ist:


  • Gelb kann entweder zu Grün oder zu Rot neigen. Zitrongelb ist beispielweise eine grünliche Gelb (kalter Ton), während Primärgelb eher rötlich ist (warmer Ton)

  • Rot kann entweder zu Gelb oder zu Blau neigen. Rot-Orange ist beispielweise eine gelbische Rot (warmer Ton),während Magenta oder Rot-Purpur eher kalte Tone sind.

  • Blau kann entweder zu Rot oder zu Grün neigen. Ultramarinbalu ist beispielweise eine rotliche (warmer Ton), während Phthaloblau eher eine grünliche Blau (kalter Ton) ist.


Dieser Aspekt der Farbverzerrung ist besonders von Bedeutung, wenn man an Komplämentärfarben denkt: wenn eine Farbe zu seiner Komplemäntär neigt und mit dieser angemischt wird (z.B. ein rotliches Gelb und ein grünliches Blau), bekommt man statt einer glänzender Grün eine schmutzige (muddy) Grün.

Mit anderen Wörten ist es wichtig, wenn man lebendige Farben erhalten möchte, Farben mit der gleichen Farbverzerrung oder gleichen Temperatur zu mischen.


Das ist auch eine der Gründe, warum wir manchmal schmützige oder matte Farben beim Pouring erhalten: Wählt man Farben aus, die zueinander komplämentär (entweder aufgrund der Farbverzerrung oder der Position auf dem Farbkreis) sind, dann kann es passieren, dass neutrale Farben sich während des Bewegens der Leinwand aufgrund des darausfolgenden Mischungsprozesses ergeben.


Farbbegriffe in der Farbtheorie

Farbmischungsmodelle

Wie in meinem vorherigen Beitrag über die verschiedenen Farbmischungsmodelle erläutert, können Farben additiv gemischt werden, d. h. wir können das tatsächliche Licht durch Addition der numerischen Darstellungen der Komponentenfarben wiedergeben, oder subtraktiv gemischt werden, d. h. die Farben von Gegenständen werden üblicherweise durch Pigmente oder Farben auf Farbstoffbasis wiedergegeben.

Bei den subtraktiven Modellen werden die einzelnen Wellenlängen des Lichts teilweise durch verschiedene Überlagerungen absorbiert, und was durchkommt, ist die Farbe, die wir wahrnehmen.

Das wichtigste additive Mischmodell ist das RGB-Modell; die wichtigsten subtraktiven Mischmodelle sind RYB und CMY(K) (für den Druck).



Farbmodelle


Klassifizierung der Farben in der Farbtheorie

Chromatische vs. nicht-chromatische vs. achromatische Farben

Zunächst muss eine Unterscheidung zwischen chromatischen, nicht chromatischen und achromatischen Farben getroffen werden.

  1. Chromatische Farben sind Farben, bei denen ein bestimmter Farbton vorherrscht. Dies sind im Wesentlichen die (reinen) Farben des Farbkreises, d. h. Gelb, Orange, Rot, Violett (Indigo), Blau und Grün. Die chromatischen Farben werden in Primär- und Sekundärfarben unterteilt.

  2. Achromatische Farben (auch Nicht-Farben oder neutrale Farben genannt) sind Farben, die keinen Farbton haben und auch als ungesättigt, nahezu neutral oder neutral bezeichnet werden. Es gibt zwei Untergruppen:

  • Zu den nahezu neutralen Farben gehören Braun, Bräunungen, Pastelltöne (wie Pink/Rosa) und dunklere Farben. Farben dieser Gruppe werden durch Mischen reiner Farben mit Weiß, Schwarz oder Grau oder durch Mischen zweier Komplementärfarben erzielt. Manchmal werden diese Tönungen, Schattierungen und Schattierungen reiner (chromatischer) Farben als nicht-chromatische Farben bezeichnet.

  • Zu den echten neutralen Farben gehören Schwarz, Weiß und alle Grautöne.


Primärfarben

Als Primärfarben werden Farben bezeichnet, die nicht aus anderen Mischungen gewonnen werden können.

  • Im RYB-Modell (subtraktiv) sind die Primär- oder absoluten Farben: Rot, Gelb, Blau

  • Im RGB-Modell (additiv) sind die Primär- oder absoluten Farben: Rot, Grün, Blau

  • Im CMY(K)-Modell (subtraktiv) sind die Primär- oder absoluten Farben: Cyan, Magenta, Gelb


Sekundärfarben

Sekundärfarben werden als Farben definiert, die durch Mischen von Primärfarben entstehen.

  • Im RYB-Modell (subtraktiv) sind die Sekundärfarben: Violett (rot+blau), Orange (rot+gelb) und Grün (gelb+blau)

  • Im RGB-Modell (additiv) sind die Sekundärfarben: Gelb (Rot+Grün), Violett (Blau+Rot) und Cyan (Grün+Blau)

  • Im CMY(K)-Modell (subtraktiv) sind die Sekundärfarben: Violett (Magenta+Cyan), Orange (Magenta+Gelb) und Grün (Gelb+Cyan)


Tertiärfarben

Tertiärfarben sind Farben, die durch Mischen einer Sekundärfarbe mit einem Teil einer Primärfarbe entstehen (gelb-grün, rot-orange, blau-violett, gelb-orange, blau-grün, rot-violett).

Aufgrund der Tatsache, dass Tertiärfarben sich aus der Mischung von allen drei Primärfarben ergeben. verlieren sie in der Regel an Helligkeit und Sättigung und werden als getrübte Farben gekennzeichnet.


Getrübte Farben

Getrübte Farben sind Farben, die im Bereich Schwarz-Grau-Weiß liegen, da sie sich entweder durch anmischen von Kömplämentärfarben (Gelb+Violett, Rot+Grün, Blau+Orange) oder durch Anmischen von zwei Primärfarben mit Schwarz neutraliesieren.

In erstem Fall werden die getrübten Farben als "buntgetrübte" gekennzeichnet und sind in der Regel eher warme Tone; im zweiten Fall werden die getrübten Farben als "schwarzgetrübten" gekennzeichnet und sind eher kalte Tone.


Kompositfarben

Kompositfarben sind Farben, die durch Mischen von Primär-, Sekundär- oder Tertiärfarben in unterschiedlichen Verhältnissen entstehen. Braun gilt als Kompositfarbe.


Schlusswörter

Das war meine kleine Übersicht über die Hauptbergriffe in der Farbtheorie. Dadurch habe ich gelernt, dass das Thema "Farben" ein komplexeres Thema ist, dass manchmal unterschätzt wird, und ich hoffe, ich könnte Euch dadurch ein bisschen mehr Klarheit schaffen.


In meinem nächsten Beitrag werde ich darüber sprechen, wie wir unsere eigenen Farbpaletten erstellen können.


Vielen Dank fürs Lesen. Wenn Ihr der Beitrag gefällt, hinterlasst Ihr ein Like, einen Kommentar und vergesst Ihr nicht, meinem Blog und Instagram zu folgen und den Inhalt auf Euren Sozialen Medien zu teilen.


Ich wünsche Euch einen kreativen und farbenfrohen Tag!


Laura


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